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Geschichten

Streik Flughafen Madrid: Mein Koffer blieb in Barajas liegen

Streik Flughafen Madrid: Mein Koffer blieb in Barajas liegen

Am Band in Düsseldorf lief irgendwann nur noch leerer Gummi. Alle anderen aus meinem Flieger waren längst weg. Mit Koffer.

Ich nicht.

Am Gate in Madrid hatte ich vorher noch schnell „Streik Flughafen Madrid“ gegoogelt, weil am Check-in ein Zettel mit dem Wort huelga klebte. Gefunden hab ich Newsticker über Flugausfälle, Streiktabellen, Umbuchungstipps. Über Gepäck? Praktisch nichts. Dabei war genau das mein Problem: Der Flug ging pünktlich, mein Koffer blieb in Spanien.

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Nicht irgendein Streik am Flughafen Madrid, sondern dieser

Ich dachte zuerst, ich hätte den großen spanischen Groundforce-Streik erwischt, den mit Menzies, von dem im Frühjahr überall zu lesen war. Falsch gedacht.

Was beim Streik am Flughafen Madrid seit Monaten läuft, ist enger und viel spezifischer. Es streikt die Wartungsmannschaft des automatisierten Gepäcksystems SATE am Flughafen Adolfo Suárez Madrid-Barajas, angestellt bei den Firmen Outsmart Assistance und Totseriman, aufgerufen von der Gewerkschaft ASC. Termine: jeden Donnerstag, Freitag und Sonntag, zweimal am Tag. Zuletzt verlängert bis zum 30. September 2026.

Das SATE ist die Anlage, die deinen Koffer nach dem Check-in durch den halben Flughafen fährt, sortiert und ans richtige Flugzeug bringt. Streiken die Leute, die diese Anlage am Laufen halten, dann fliegt der Flieger. Der Koffer nicht unbedingt.

Und die Streikfenster liegen fies. Laut der offiziellen Mindestdienst-Resolution des spanischen Verkehrsministeriums müssen zwar mindestens 50 Prozent der Belegschaft im Dienst bleiben, gestreikt wird aber von 5 bis 7 Uhr morgens und von 13 bis 15 Uhr. Also genau dann, wenn die Morgenwelle und die Mittagswelle abgefertigt werden.

Mein Rückflug? Freitagmittag.

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Was 50 Prozent Mindestdienst in echt bedeuten

„Mindestdienst“ klingt beruhigend. Ist es nicht. Es heißt nur, dass nicht alles stillsteht. Wer gerade „Flughafen Streik Spanien aktuell“ sucht, landet meistens bei der großen Streikwelle vom Frühjahr, nicht bei dieser engeren SATE-Aktion, die mich erwischt hat.

Wie sich sowas anfühlt, hat die große Streikwelle im Frühjahr gezeigt: über 1,3 Millionen betroffene Reisende, im Schnitt fast eine Stunde Verspätung pro Flug, tausende Koffer, die gar nicht oder zu spät verladen wurden (Quellen: sonnenklar.tv, UGT/Berliner Zeitung). Andere Aktion, andere Firmen, andere Wochentage, der Mechanismus dahinter ist aber derselbe: weniger Leute, ein automatisches System, Rückstau. Egal ob Ostern oder Herbst: was bei einem Streik grundsätzlich für deine Fluggastrechte gilt, ändert sich kaum.

Am Band in Düsseldorf hab ich dann gemacht, was man macht. Zum Schalter für Gepäckermittlung, Bordkarte und Gepäckabschnitt hin, PIR ausfüllen. Das ist der Property Irregularity Report, der Zettel, ohne den später gar nichts geht. Referenznummer notiert, fertig.

Der Standardsatz, dass der Koffer schon mit dem nächsten Flieger kommt, ist an einem Streiktag übrigens oft Quatsch. Meiner kam nach. Nicht am selben Tag, nicht am nächsten.

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Der Punkt, den keiner erklärt

Hier wird's interessant. Und ehrlich gesagt hab ich das beim Streik am Flughafen Madrid selbst erst hinterher kapiert.

Wenn ein Streik deinen Flug verspätet oder streicht, berufen sich Airlines gern auf „außergewöhnliche Umstände“ nach der EU-Fluggastrechteverordnung. Bei einem Streik fremden Personals kommen sie damit sogar oft durch. Wie Fachanwalt Dr. Matthias Böse erklärt, gilt ein Streik externer Firmen wie der Bodenabfertigung anders als ein Streik des eigenen Airline-Personals durchaus als möglicher außergewöhnlicher Umstand. Der EuGH hat das in der Sache C-28/20 in diese Richtung sortiert.

Nur: Das betrifft die pauschale Ausgleichszahlung für den Flug. Nicht deinen Koffer.

Fürs Gepäck gilt ein komplett anderes Regelwerk, das Montrealer Übereinkommen. Und das kennt keine Ausnahme für höhere Gewalt. Die Verbraucherzentrale formuliert es so: „Auch bei Streiks oder Systemausfällen haftet die Airline für Ihr Gepäck, da das Montrealer Übereinkommen keine Ausnahmen für höhere Gewalt vorsieht.“

Zwei Ansprüche, zwei Rechtsgrundlagen, zwei völlig verschiedene Antworten. Die Airline kann dir beim Flug den Streik entgegenhalten und beim Koffer trotzdem haften. Die Haftungsgrenze fürs Gepäck liegt nach dem Montrealer Übereinkommen derzeit bei 1.519 Sonderziehungsrechten, also rund 1.900 Euro. Viele deutsche Ratgeberseiten nennen immer noch 1.288 Sonderziehungsrechte. Das ist der alte Wert von vor der Anpassung Ende 2024.

Ich bin keine Anwältin, und im Einzelfall kann das anders laufen. Meine Erfahrung mit dem verlorenen Koffer ist nur eine von vielen; wie du den Anspruch konkret geltend machst, welche Fristen laufen und welche Belege du brauchst, steht ausführlich in unserem Ratgeber zu deinen Rechten bei verlorenem oder beschädigtem Gepäck. Das wiederhole ich hier nicht, sonst wird aus einer Reisegeschichte ein Gesetzestext.

Ein Satz noch dazu: Die Fristen sind kurz. Sehr kurz. Wer den PIR erst zu Hause am Küchentisch ausfüllen möchte, hat den Zug schon verpasst.

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Was ich beim nächsten Streik am Flughafen Madrid anders mache

Zwei Sachen haben sich seitdem geändert, und beide sind unspektakulär.

In jedem Koffer, den ich aufgebe, liegt inzwischen ein Tracker. Nicht weil er das Gepäck zurückbringt, sondern weil er die Diskussion beendet. Als mein Koffer weg war, konnte mir tagelang niemand sagen, wo er überhaupt steht. Mit dem Apple AirTag (2. Generation) 4er Pack: Tracker für Schlüsselbund, Portemonnaie und mehr: Ortungsgerät mit Ton, einfache Einrichtung mit einem Klick über iPhone oder iPad, Schlüsselfinder, Genaue Suche im Innenfach checkst du das selbst, statt dich auf ein Tracking-Portal zu verlassen, das seit dem Check-in nichts Neues weiß. Klingt nach Kleinkram. Nimmt aber viel Nerverei raus.

Wenn's geht: gar nicht erst aufgeben

Der zweite Punkt nervt ein bisschen, ist aber der ehrlichere. An einem Streiktag in Madrid ist der sicherste Koffer der, der nie aufs Band kommt.

Für ein langes Wochenende reicht mir mittlerweile ein Rucksack im Kabinenformat. Der MATEIN Reiserucksack Handgepäck Flugzeug 55x35x20 hält 55x35x20 cm ein, kostet ungefähr so viel wie eine einzige Gepäckaufgabe auf einem Billigflug und war für vier Tage Madrid völlig ausreichend. Welche Maße dein Flieger konkret erlaubt, unterscheidet sich von Airline zu Airline, ein Airline-Vergleich der Handgepäck-Maße lohnt sich, bevor du dich auf ein Format festlegst.

Und wenn die Airline genauer misst als du denkst

Nicht überall darfst du 55 cm mit an Bord nehmen. Bei Airlines mit knapperen Vorgaben, Easyjet zum Beispiel, wird es mit dem großen Format eng, und dann stehst du am Gate und zahlst nach. Wie groß der Unterschied zwischen den Billigfliegern wirklich ausfällt, steht in unserem Vergleich von Ryanair, easyJet und Wizz Air.

Deshalb liegt bei mir ein zweiter Rucksack im Schrank. Der KLOSTAIN Handgepäck Rucksack 45x36x20 für Easyjet bleibt mit 45x36x20 cm unter den strengeren Maßen und geht dadurch auf mehr Airlines durch. Weniger Volumen, dafür seltener Diskussionen.

Und ja, ich buche seitdem tatsächlich um Donnerstage, Freitage und Sonntage herum, wenn wieder Streik am Flughafen Madrid droht. Fühlt sich albern an. Kostet mich nichts.


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Häufig gestellte Fragen

Streik Flughafen Madrid: An welchen Tagen genau?

Die SATE-Wartungsmannschaft in Madrid-Barajas legt donnerstags, freitags und sonntags die Arbeit nieder, morgens von 5 bis 7 Uhr, mittags von 13 bis 15 Uhr, mit 50 Prozent Mindestdienst. Das läuft mindestens bis Ende September 2026. Der Betrieb steht also nicht still, staut sich aber. Wer an einem dieser Tage aus Madrid fliegt, sollte beim Gepäck mit Verzögerung rechnen.

Was mache ich sofort, wenn mein Koffer nicht auf dem Band liegt?

Noch am Flughafen zum Schalter für Gepäckermittlung gehen und einen PIR aufnehmen lassen, den Property Irregularity Report. Ohne diesen Zettel und die Referenznummer wird jede spätere Reklamation schwierig. Bordkarte und Gepäckabschnitt behältst du. Und ab diesem Moment hebst du jeden Beleg für Sachen auf, die du unterwegs nachkaufen musst.

Bekomme ich Geld, wenn ein Streik schuld am verspäteten Koffer ist?

Für Gepäck gilt das Montrealer Übereinkommen, und das kennt keine Ausnahme für höhere Gewalt. Die Airline haftet also grundsätzlich auch dann, wenn ein Streik der Auslöser war. Das ist etwas anderes als die pauschale Ausgleichszahlung für den Flug selbst, bei der ein Streik fremden Personals als außergewöhnlicher Umstand durchgehen kann.

Fliegt mein Flug überhaupt, wenn gestreikt wird?

Meistens ja. Dieser Streik trifft die Wartung der Gepäckanlage, nicht die Flugzeuge und nicht die Crew. Genau darin liegt die Falle: Du kommst pünktlich an und stehst trotzdem ohne Aufgabegepäck da. Einzelne Verspätungen sind möglich, ein flächendeckender Flugausfall wegen dieser Aktion ist es nicht.

Zahlt die Airline, was ich vor Ort nachkaufen muss?

Entschädigung für verspätetes Gepäck bekommst du für notwendige Ersatzkäufe, allerdings nur im angemessenen Rahmen und gegen Belege. Zahnbürste und Unterwäsche sind unstrittig, der Designermantel eher nicht. Sammle jede Quittung und reiche sie zusammen mit der PIR-Nummer ein.

Quellen

  1. automatisierten Gepäcksystems SATE striketracker.app
  2. offiziellen Mindestdienst-Resolution des spanischen Verkehrsministeriums cdn.transportes.gob.es
  3. sonnenklar.tv sonnenklar.tv
  4. UGT/Berliner Zeitung berliner-zeitung.de
  5. Fachanwalt Dr. Matthias Böse drboese.de
  6. Verbraucherzentrale verbraucherzentrale.de
  7. 1.519 Sonderziehungsrechten icao.int

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