Streikgefahr Ostern 2026: Deine Fluggastrechte bei Streik
800 gestrichene Flüge. 100.000 gestrandete Passagiere. Das war der Lufthansa-Streik am 12. Februar. Und jetzt? Droht das Ganze zu Ostern nochmal. Doppelt sogar.
Seit dem 9. März ist die Friedenspflicht bei der Vereinigung Cockpit abgelaufen. Das heißt: Die Pilotengewerkschaft kann jederzeit wieder streiken. Gleichzeitig hat spanisches Bodenpersonal den Ostersonntag (21. April) und den 24. April als Streiktage angekündigt. Alle 53 spanischen Flughäfen wären betroffen. Bis zu 5 Millionen Reisende.
Wer in den Osterferien fliegt, hat damit ein echtes Problem. Und das Schlimmste: Ob du Geld bekommst oder nicht, hängt von einem Detail ab, das die meisten nicht kennen. Die Fluggastrechte bei Streik funktionieren nämlich komplett anders als viele denken.
Lufthansa: 99 % der CityLine-Piloten wollen streiken
Der Tarifkonflikt bei Lufthansa ist verfahren. Sieben Verhandlungsrunden seit Mai 2025, Kernthema ist die Betriebsrente für rund 4.800 Piloten. Kein Ergebnis. Laut ADAC sind seit dem 9. März neue Arbeitsniederlegungen jederzeit denkbar.
Am 26. Februar haben 99 % der CityLine-Piloten bei einer Urabstimmung für Streikbereitschaft gestimmt, wie der Tagesspiegel berichtet. 95 % Beteiligung. Das ist ein klares Signal.
Was du wissen solltest: Beim letzten Streik im Februar waren Eurowings, Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines nicht betroffen. Nur Lufthansa und Lufthansa Cargo. Ob das beim nächsten Mal genauso ist? Kann sein. Muss aber nicht, weil CityLine jetzt ein eigenes Streikmandat hat. Wer Alternativrouten über diese Fluggesellschaften plant, sollte sich vorab über die neuen Sommerstrecken für 2026 informieren.
Spanien: 60.000 Bodenmitarbeiter, alle Flughäfen
Parallel dazu haben die Gewerkschaften USO und UGT laut AERO International rund 60.000 Beschäftigte des Bodenpersonals zum Streik aufgerufen. Ostersonntag, 21. April. Und nochmal am 24. April. Madrid, Barcelona, Palma, Málaga, Teneriffa. Einfach alle AENA-Flughäfen.
Das ist kein neues Muster. 2024 lief das genauso: Air Nostrum musste 148 von 627 Flügen streichen. 2023 traf es Swissport an 17 Airports. Spanien und Ostern, das ist mittlerweile ein eigenes Risikofeld.
Noch dazu: Die Sicherheitskräfte am Madrider Flughafen Barajas haben einen unbefristeten Streik angekündigt. Und Air Nostrum-Piloten planen Aktionen vom 15. bis 17. April und vom 22. bis 24. April. Es kommt also viel zusammen.
Fluggastrechte bei Streik: Wer streikt, entscheidet alles
Jetzt kommt der Teil, den viele Reisende falsch einschätzen. Deine Fluggastrechte bei Streik hängen davon ab, wer streikt.
| Streiktyp | Beispiel | Entschädigung? |
|---|---|---|
| Airline-eigenes Personal | Lufthansa-Piloten, Kabinenpersonal | Ja, 250 bis 600 Euro |
| Externe Dienstleister | Spanisches Bodenpersonal, Flugsicherung | Nein |
Warum? Der Europäische Gerichtshof hat 2021 entschieden: Ein Streik des eigenen Airline-Personals ist kein "außergewöhnlicher Umstand". Die Airline kann sich also nicht rausreden. Du hast Anspruch auf Entschädigung nach EU-Verordnung 261/2004.
Bei externem Bodenpersonal (wie in Spanien) sieht es anders aus. Kein Entschädigungsanspruch. Aber: Umbuchung auf den nächsten Flug und Betreuungsleistungen stehen dir trotzdem zu. Essen, Getränke nach 2 Stunden. Hotel, falls der Ersatzflug erst am nächsten Tag geht.
Die Entschädigungssätze im Überblick:
| Flugstrecke | Betrag |
|---|---|
| Bis 1.500 km | 250 Euro |
| 1.500 bis 3.500 km | 400 Euro |
| Über 3.500 km | 600 Euro |
Was du jetzt tun solltest
Noch ist nichts gestrichen. Aber vorbereitet sein schadet nicht. Hier eine kurze Checkliste:
Vor der Reise:
Airline-App installieren und Push-Benachrichtigungen aktivieren
Buchungsbestätigung als Screenshot sichern
Kontaktdaten der Airline griffbereit haben (nicht nur die Hotline, auch Social Media)
Gepäck mit Kontaktdaten versehen. Ein Gepäck-Tracker hilft, wenn dein Koffer bei einer Umbuchung verloren geht
Wer auf Handgepäck umsteigen will, um Gepäckprobleme zu vermeiden: Die Erfahrungen anderer mit nur Handgepäck reisen können helfen, das Beste aus einer schlechten Situation zu machen
Falls dein Flug ausfällt:
Sofort Umbuchung beantragen, online geht's meist schneller als am Schalter
Alle Belege aufbewahren: Quittungen für Essen, Taxi, Hotelkosten
PIR-Formular ausfüllen, falls dein Gepäck nicht mitkommt. Was dann zu tun ist, zeigt der Erfahrungsbericht zu verlorenem Gepäck auf Langstrecken (Demnächst)
Innerhalb von 7 Tagen Erstattung oder Ersatzbeförderung einfordern
Und noch ein Tipp, den ich glaub die wenigsten auf dem Schirm haben: Deine Reiserücktrittsversicherung zahlt bei Streik meistens nicht. Standard-Policen schließen das aus. Nur wenige Premium-Tarife decken streikbedingte Mehrkosten ab.
Häufig gestellte Fragen
Bekomme ich Entschädigung, wenn mein Lufthansa-Flug wegen Streik ausfällt?
Ja. Bei einem Pilotenstreik der Lufthansa greift die EU-Verordnung 261/2004. Das hat der EuGH 2021 bestätigt. Dir stehen je nach Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro zu, wenn dein Flug gestrichen wird oder mit mehr als 3 Stunden Verspätung ankommt. Den Anspruch musst du aktiv bei der Airline einfordern, am besten schriftlich per E-Mail oder über ein Fluggastrechte-Portal.
Gilt das auch für den Streik des spanischen Bodenpersonals?
Nein. Bodenpersonal an Flughäfen arbeitet unabhängig von den Airlines. Das zählt als "außergewöhnlicher Umstand" im Sinne der EU-Verordnung. Eine Entschädigungszahlung gibt's nicht, aber du hast trotzdem Anspruch auf Umbuchung auf den nächsten verfügbaren Flug sowie auf Betreuungsleistungen wie Essen und, wenn nötig, eine Hotelübernachtung.
Welche Airlines sind vom Lufthansa-Streik betroffen?
Beim letzten Streik im Februar 2026 waren nur Lufthansa und Lufthansa Cargo betroffen. Eurowings, Austrian, Swiss und Brussels Airlines flogen normal. Bei einem CityLine-Streik könnten Regionalverbindungen dazukommen. Welche Fluggesellschaft genau betroffen ist, gibt Lufthansa in der Regel 24 bis 48 Stunden vorher bekannt. Lohnt sich also, die App aktiviert zu haben.
Zahlt meine Reiserücktrittsversicherung bei Streik?
In den meisten Fällen nein. Standard-Reiserücktrittsversicherungen schließen Streiks als Leistungsfall aus. Einige Premium-Policen erstatten bis zu 100 Euro für streikbedingte Mehrkosten. Prüf das vor der Reise kurz in deinen Versicherungsbedingungen. Du findest das meistens unter dem Abschnitt "Ausschlüsse" oder "Nicht versicherte Ereignisse".
Was mache ich, wenn ich eine Pauschalreise gebucht habe?
Bei Pauschalreisen ist dein Reiseveranstalter der Ansprechpartner, nicht die Airline direkt. Er muss sich um Ersatzbeförderung kümmern und haftet nach dem Pauschalreisegesetz. Im Zweifel kannst du auch den Reisepreis mindern, wenn die Leistung nicht wie vereinbart erbracht wird. Dokumentiere alles schriftlich, damit du im Streitfall Nachweise hast.
*Stand: März 2026*