Bangkok, Hanoi, Siem Reap. Fünf Airlines, drei Länder, null Aufgabegepäck. Ich hab's gemacht, und es war gleichzeitig die beste und dümmste Entscheidung meiner Reisekarriere.
Kurzantwort: Ja, nur mit Handgepäck reisen funktioniert auch auf der Langstrecke und in den Tropen. Aber du brauchst den richtigen Rucksack, eine ehrliche Packliste und die Bereitschaft, unterwegs Wäsche zu waschen. Mein 40-Liter-Rucksack hat die gesamten drei Wochen durchgehalten, ohne dass ich irgendetwas wirklich vermisst habe.
Warum ich den Koffer zu Hause gelassen hab
Ich war schon mal nur mit Handgepäck durch Europa unterwegs (Demnächst) und hab dort gemerkt, wie viel einfacher alles wird, wenn du am Gepäckband einfach vorbeigehen kannst. Kein Warten, kein Stress, kein verlorener Koffer.
Aber Europa und Südostasien sind zwei verschiedene Welten. Tropisches Klima, Monsunregen, Nachtbusse ohne Gepäckfach. Mein Kumpel Jonas hat mich für verrückt erklärt. "Drei Wochen? Nur mit dem Rucksack? In den Tropen?" Er hatte halb recht.
Der eigentliche Auslöser war simpel: Ich wollte bei den internen Flügen sparen. AirAsia verlangt für Aufgabegepäck auf der Strecke Bangkok nach Hanoi rund 30 Euro pro Weg. VietJet ähnlich. Bei fünf internen Flügen summiert sich das schnell auf 150 Euro und mehr. Da hab ich mich gefragt, ob nur mit Handgepäck reisen nicht auch auf so einer Reise klappen kann.
Die Packliste: Was rein musste und was rausflog
Ich hab ungefähr eine Woche vorher angefangen zu packen. Und dann wieder auszupacken. Und wieder einzupacken. Ehrlich gesagt hab ich's viermal komplett umgeworfen, bis die Waage 7,2 kg gezeigt hat.
Wer eine südostasien packliste handgepäck zusammenstellen will, der sollte von Anfang an ehrlich mit sich sein: Nicht jedes "Vielleicht-brauch-ich-das" kommt mit.
Was am Ende im Rucksack war:
Kleidung (ca. 2,5 kg):
4 T-Shirts (Merinowolle, trocknen schnell)
2 kurze Hosen
1 lange Hose (für Tempel)
7 Unterhosen, 4 Paar Socken
1 dünne Regenjacke
Flip-Flops am Rucksack befestigt
Technik (ca. 1,8 kg):
Laptop hab ich bewusst daheim gelassen. Nur Handy und Powerbank
Kopfhörer (Noise-Cancelling, für den 11-Stunden-Flug ein Muss)
Ladekabel, Reiseadapter
Hygiene und Rest (ca. 1,5 kg):
Kulturbeutel mit Flüssigkeiten im Handgepäck-konformen Größen
Sonnencreme (50 ml Tube, Rest vor Ort kaufen)
Mückenschutz (kleine Sprühflasche, Rest ebenfalls vor Ort)
Mikrofaser-Handtuch
Erste-Hilfe-Basics
Was ich rausgeworfen hab? Mein Buch (Kindle-App reicht), den zweiten Pullover (braucht man bei 35 Grad nicht) und die Wanderschuhe. Die Wanderschuhe waren die schwierigste Entscheidung. Ich hab's nicht bereut.
Langstreckenflug mit Handgepäck: 5 Airlines, 5 verschiedene Regeln
Hier wird's interessant. Und ein bisschen nervig.
Wer nur mit Handgepäck auf Langstrecke fliegt, merkt schnell: Die Regeln der Airlines passen nicht auf einen Nenner. Das ist das Tückische beim langstreckenflug handgepäck planen.
Lufthansa (Frankfurt nach Bangkok): 8 kg Handgepäck, maximal 55x40x23 cm. Kein Problem, mein Rucksack hat locker reingepasst. Am Langstreckenflug hat niemand auch nur geguckt. Die aktuelle Regelung findest du auf der Lufthansa Gepäck-Übersichtsseite.
Thai Airways (Codeshare-Strecke): Offiziell 7 kg. Wird bei Langstrecke selten kontrolliert. Ich hab mich trotzdem an die 7 kg gehalten. Sicher ist sicher.
AirAsia (Bangkok nach Chiang Mai, später nach Hanoi): Und da wird's ernst. AirAsia erlaubt nur 7 kg Handgepäck, und die wiegen tatsächlich nach. Am Gate in Don Mueang stand eine Waage. Die Frau vor mir musste 400 Baht (ungefähr 10 Euro) Übergepäck zahlen, weil ihr Rucksack 7,8 kg hatte. Meiner zeigte 6,9 kg. Glück gehabt, wobei: Ich hatte morgens meine schwere Regenjacke angezogen. Bei 32 Grad. Quatsch? Vielleicht. Aber es hat funktioniert. Die genauen Kabinengepäck-Regeln von AirAsia stehen auf deren Gepäck-Hilfeseite.
VietJet (Hanoi nach Ho Chi Minh City): Auch 7 kg, auch streng. Aber das Bordpersonal war entspannter als bei AirAsia. Kein Wiegen am Gate, nur ein kurzer Blick.
Cambodia Angkor Air (Saigon nach Siem Reap): 7 kg offiziell, aber die Kontrolle war quasi nicht vorhanden. Hätte wahrscheinlich auch 10 kg durchgehen können. Hab ich aber nicht getestet.
Was ich gelernt hab: Die asiatischen Low-Cost-Carrier sind strenger als alles, was ich aus Europa kenne. Bei Ryanair wirst du manchmal gewogen, bei AirAsia fast immer. Wer bei Kofferly den Rucksack-Vergleich checkt, sollte auf leichte Modelle achten. Jedes Gramm zählt hier wirklich.
Thailand: Bewährungsprobe im tropischen Regen
Die ersten drei Tage in Bangkok waren easy. Hostel, Streetfood, Tempel. Der Rucksack stand in der Ecke, alles super.
Dann kam Chiang Mai. Und der Regen.
Ich war auf dem Nachtmarkt, als ein Monsunschauer losging, der in 20 Sekunden alles unter Wasser gesetzt hat. Mein Rucksack hatte keine Regenhülle. Ehrlich gesagt hab ich gar nicht dran gedacht, eine einzupacken. Die Klamotten drin? Klatschnass. Das Mikrofaserhandtuch? Nutzlos, weil ebenfalls nass. Mein Handy steckte zum Glück in der Hosentasche.
Lektion Nummer eins: Pack deine Sachen in Zip-Beutel. Ich hab am nächsten Tag auf dem Markt für umgerechnet 80 Cent vier große Zip-Beutel gekauft. Die haben den Rest der Reise gerettet.
Vietnam: Backpacking mit Handgepäck und spontane Einkäufe
Vietnam war der Teil der Reise, an dem das Nur-Handgepäck-Konzept wirklich getestet wurde. Backpacking handgepäck auf Langstrecke klingt in der Theorie einfach. In der Praxis testet Vietnam deine Geduld.
Der Nachtbus von Hanoi nach Hue hat kein richtiges Gepäckfach. Du schläfst in einer Art Liege-Kapsel, und dein Rucksack liegt neben dir oder unter dir. Mit einem großen Koffer? Keine Chance.
Und dann die Märkte. In Hoi An hab ich mir einen Anzug schneidern lassen (ja, wirklich, für 40 Euro). Und plötzlich stehst du da mit einem Anzug in einer Plastiktüte und keinem Platz im Rucksack. Ich hab ein dreckiges T-Shirt und die kaputten Flip-Flops weggeworfen, um Platz zu schaffen. Minimalistisch reisen heißt manchmal: Entscheidungen treffen.
Der Reise-Gadget-Tipp, den ich hier weitergeben kann: Packtaschen. Ich hatte vorher keine benutzt und hab sie nach der ersten Woche in Hanoi für 5 Euro gekauft. Totaler Unterschied. Plötzlich wusste ich, wo alles ist, und der Rucksack war gefühlt doppelt so groß.
Kambodscha und mein Fazit nach drei Wochen
Siem Reap war die letzte Station. Angkor Wat bei Sonnenaufgang mit einem 40-Liter-Rucksack auf dem Rücken. Klingt bescheuert. War's auch ein bisschen. Aber das Hostel war nur zehn Minuten entfernt, und ich hab den Rucksack nach dem Frühstück dort abgestellt.
Nach drei Wochen hat der Rucksack etwas komisch gerochen. Trotz regelmäßigem Waschen in Hostels (kostet in Südostasien zwischen 1 und 2 Euro pro Wäscheladung). Die Merinowolle-Shirts haben sich aber besser geschlagen als befürchtet. Die Baumwoll-Alternative, die ich einmal als Ersatz auf einem Markt gekauft hab, hat nach einem Tag in der Feuchtigkeit gemüffelt.
Was ich beim nächsten Mal anders mache
Ich glaub, das meiste hab ich richtig gemacht. Aber ein paar Sachen würde ich ändern, wenn ich die nächste handgepäck fernreise plane:
Die Regelhülle hätte ich einpacken sollen. Punkt. Wiegt 80 Gramm, hätte mir einen nassen Abend erspart.
Packtaschen von Anfang an mitnehmen, nicht erst unterwegs kaufen. Und vielleicht Kompressionsbeutel für die dreckige Wäsche.
Beim nächsten Mal nehme ich wahrscheinlich nur drei T-Shirts mit statt vier. In Südostasien kannst du überall günstig waschen lassen. Eins tragen, eins zum Trocknen, eins in Reserve. Reicht.
Und ehrlich gesagt: Auf die lange Hose hätte ich fast verzichten können. Ich hab sie genau zweimal getragen. In Tempeln. Vielleicht gibt's da eine leichtere Lösung.
Wer noch überlegt, ob nur mit Handgepäck reisen für eine Fernreise wirklich funktioniert: Es geht. Aber du musst vorher wirklich konsequent sein, was die Packliste angeht. Kein "das nehm ich sicherheitshalber mit."