Bahnhof Budapest-Keleti, 22:17 Uhr. Der Nightjet nach Wien pfiff ein. Ich schwang mir meinen Rucksack auf den Rücken und stieg ein. Keine Schlange am Check-in. Keine Kofferwage. Keine Diskussion am Gate.
Das war Tag 9 meiner Interrail-Reise. Mein Interrail Rucksack hatte 40 Liter. Sonst nichts.
Klingt verrückt? Hab ich auch gedacht, bevor ich losgefahren bin. Aber nach 14 Tagen durch München, Wien, Budapest, Prag und Berlin kann ich sagen: Ich würde es genau so wieder machen. Vielleicht sogar mit weniger Zeug.
Warum überhaupt nur mit Rucksack?
Die ehrliche Antwort: Ich hatte keinen Bock auf Koffer. Mein Interrail Rucksack war die logische Wahl. Kopfsteinpflaster in der Budapester Altstadt, steile Treppen an alten Bahnhöfen, volle Regionalzüge ohne Gepäckablage. Ein Kumpel von mir, Marco, hat das letztes Jahr mit einem Trolley gemacht. Sein Fazit nach einer Woche: "Nie wieder."
Und dann gibt's da noch den Punkt, den viele nicht wissen: Züge in Europa haben keine Gepäckregeln wie Flugzeuge. Keine 55x40x20-Limits. Keine 8-Kilo-Waage. Bei der Deutschen Bahn, der ÖBB, RegioJet und den meisten anderen Bahnen gilt eine einzige Regel. Wenn du dein Gepäck selbst tragen und sicher verstauen kannst, darfst du es mitnehmen. Punkt.
Das ist ein riesiger Unterschied zu Ryanair oder easyJet, wo jeder Zentimeter zählt. Wer einen Handgepäck-Rucksack hat, der bei Airlines als Kabinengepäck durchgeht, der hat auf dem Zug erst recht kein Problem.
Die Route: 5 Länder in 14 Tagen
Meine Route war keine Überraschung. München, Wien, Budapest, Prag, Berlin. Eine der beliebtesten Interrail-Strecken durch Zentraleuropa, und zwar aus gutem Grund.
| Etappe | Fahrzeit | Was du wissen solltest |
|---|---|---|
| München nach Wien | ca. 4 Stunden | ÖBB Railjet, keine Reservierung nötig |
| Wien nach Budapest | ca. 2,5 Stunden | Stündliche Direktverbindungen |
| Budapest nach Prag | ca. 7 Stunden | Längste Etappe. RegioJet fährt direkt |
| Prag nach Berlin | ca. 4 Stunden | EuroCity, alle 2 Stunden |
Der große Vorteil dieser Route? Osteuropa. Auf den Strecken Wien nach Budapest und Budapest nach Prag brauchst du keine teuren Pflichtreservierungen wie beim TGV in Frankreich. Du steigst einfach ein. Spontan. Genau das macht Interrail mit Rucksack so entspannt.
Die Strecke Wien nach Budapest war mein persönliches Highlight. 2,5 Stunden, Blick auf die Donau, kaltes Bier im Bordrestaurant. Besser geht's kaum.
Mein Interrail Rucksack und was reinkam
Ich bin mit einem Osprey Farpoint 40 gereist. Das war mein Interrail Rucksack der Wahl: 40 Liter Volumen, 1,3 Kilo Eigengewicht, ab etwa 108 Euro zu haben. Das Ding öffnet sich wie ein Koffer, von vorne. Das klingt wie ein Detail, ist aber für Zugreisen Gold wert. Du brauchst nicht alles auspacken, um an die Socken ganz unten zu kommen.
Wer weniger ausgeben will: Der CabinZero Classic mit 44 Litern wiegt nur 760 Gramm und kostet zwischen 60 und 75 Euro. Kein Hüftgurt, also nicht ideal für lange Fußmärsche. Aber für Zugreisen völlig ausreichend.
Für die, die etwas mehr investieren wollen, gibt's den Deuter AViANT Access 38. Deutsche Marke, top Materialien, bei Pack Hacker mit 7,6 von 10 bewertet. Kostet allerdings 150 bis 170 Euro.
Meine Interrail Packliste für 2 Wochen
Kleidung (ja, das reicht wirklich):
3 T-Shirts, davon zwei aus Merinowolle
2 Hosen, eine kurz, eine lang
5 Paar Socken und Unterwäsche
1 leichte Regenjacke
Laufschuhe am Fuß, Flip-Flops im Rucksack
Merinowolle war mein bester Trick. Die Shirts kannst du drei, vier Tage hintereinander tragen und sie riechen immer noch okay. Ein Merino-Shirt kostet zwischen 40 und 70 Euro. Klingt viel. Aber du sparst dir dafür die Hälfte der Kleidung im Rucksack. Hab ich vorher nicht geglaubt, jetzt bin ich überzeugt.
Gewaschen hab ich alle vier bis fünf Tage. In Hostels kostet eine Ladung 3 bis 6 Euro. In Budapest hab ich einmal alles abends im Waschbecken gewaschen. War am nächsten Morgen trocken.
Dazu noch: Mikrofaserhandtuch, Kulturbeutel in Reisegröße, Powerbank, Noise-Cancelling-Kopfhörer, Universaladapter. Und zwei Packwürfel. Die halten Ordnung. Klingt banal, aber nach Tag 6 ist man dankbar, wenn die dreckige Wäsche nicht zwischen den sauberen T-Shirts liegt.
Was funktioniert hat (und was nicht)
Ich geb's zu: Tag 1 war ich nervös. 40 Liter für 14 Tage? Hab ich wirklich an alles gedacht?
Ja. Hatte ich. Ehrlich gesagt hab ich sogar zu viel eingepackt. Das Buch hab ich nie aufgemacht (Handy hatte Kindle). Die zweite Hose hab ich zweimal getragen. Und den Reisewecker? Brauchst du nicht, wenn du ein Smartphone hast.
Was richtig gut funktioniert hat: Spontanität. In Wien hab ich zwei Stunden vor Abfahrt beschlossen, den früheren Zug nach Budapest zu nehmen. Interrail Rucksack auf den Rücken, los. Versuch das mal mit einem 23-Kilo-Koffer auf Rollen über Wiener Kopfsteinpflaster. Reisebloggerin Daniela Leitner von planBvoyage bringt es auf den Punkt: "Rucksack! Du bist flexibler, schneller und reist angenehmer."
Was nicht funktioniert hat: Meine Regenjacke. Die war zu dünn für den Regentag in Prag. Hätte eine richtige Softshelljacke mitnehmen sollen. Vielleicht irre ich mich, aber ich glaub, das war mein einziger echter Fehler.
Warum Interrail statt Fliegen?
Klar, fliegen geht schneller. München nach Budapest in 90 Minuten statt sieben Stunden. Aber die Rechnung ist komplizierter als "schneller gleich besser".
Erst mal: CO₂. Laut co2online.de verursacht eine Zugfahrt bis zu 96,5 Prozent weniger Emissionen als ein Flug. Konkret: München nach Budapest per Flug circa 227 kg CO₂ hin und zurück. Per Zug? 7,4 Kilo. Das ist kein Rundungsfehler, das ist eine andere Welt.
Und dann die Erfahrung. Im Zug schaust du aus dem Fenster, liest, schläfst. Am Flughafen stehst du in der Schlange, wirst gefilzt, wartest aufs Boarding. Wenn du die An- und Abreise zum Flughafen einrechnest, ist der Zeitunterschied oft kleiner als gedacht.
Interrail boomt übrigens. Laut offizieller Interrail-Statistik wurden 2023 über 1,2 Millionen Pässe verkauft. 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutschland ist mit 142.000 Pässen der größte Einzelmarkt. Da bewegt sich was.
Wer sich für Nachtzüge interessiert: Wir haben einen ausführlichen Artikel über den Nachtzug Berlin Paris mit Packtipps. Und wer grundsätzlich überlegt, ob reisen nur mit Handgepäck das Richtige ist, dem kann ich sagen: Für Interrail absolut ja.
Meine Top-Tipps nach 14 Tagen
Packe alles ein, was du mitnehmen willst. Dann leg ein Drittel wieder zurück. Ernsthaft. Wie Interrail selbst empfiehlt: klein und leicht packen.
Merinowolle statt Baumwolle. Ja, teurer. Aber du brauchst die Hälfte der Shirts.
Packwürfel. Klingt langweilig. Rettet dir ab Tag 4 das Leben.
Noise-Cancelling-Kopfhörer für Nachtzüge. Unverhandelbar.
Und der wichtigste Tipp: Kein Koffer. Ein Interrail Rucksack. 35 bis 44 Liter reichen für zwei Wochen. Für eine ausführliche Übersicht zu Handgepäck-Rucksäcken schau dir unseren Vergleichstest an. Und wenn du dich für das Konzept "nur mit Handgepäck reisen" (Demnächst) interessierst, lies gern auch den Erfahrungsbericht meiner Kollegin.
Würde ich es wieder machen?
Ja.
Ohne zu zögern. Vielleicht sogar mit 30 statt 40 Litern. Das Gefühl, an einem Bahnsteig zu stehen, Rucksack auf dem Rücken, und einfach in irgendeinen Zug einsteigen zu können, weil du nicht beladen bist wie ein Packesel. Das ist Freiheit. Nicht das Wort aus der Werbung. Echte Freiheit.
14 Tage, 5 Länder, 1 Interrail Rucksack. Funktioniert. Das sind meine Interrail Erfahrungen, und ich würde sie jedem empfehlen, der überlegt ob er einen Koffer oder einen Rucksack nehmen soll.