Sieben Stunden Wartezeit am Flughafen Lissabon. Kein Tippfehler. Sieben.
Das EES System (Entry/Exit System) ist seit dem 10. April 2026 an allen Schengen-Außengrenzen im Vollbetrieb, wie die EU-Kommission offiziell bestätigt hat. Seit dem schrittweisen Start im Oktober 2025 wurden bereits 45 Millionen Grenzübertritte erfasst, rund 24.000 Einreisen verweigert und über 600 Personen als Sicherheitsrisiko identifiziert. Inzwischen ist das System für jeden Grenzposten verpflichtend – ohne Ausnahme.
Wir hatten schon vor dem Start einen ausführlichen Guide zum EES System veröffentlicht. Hier geht's jetzt um das, was seitdem wirklich passiert ist. Und ehrlich gesagt? Teilweise ist es chaotischer als erwartet.
Was hat sich seit Oktober 2025 geändert?
Die Pilotphase lief an ausgewählten Grenzübergängen. Fingerabdrücke, Gesichtsscan, digitale Registrierung. Das kennt man inzwischen. Aber seit dem 10. April gilt das für alle Schengen-Außengrenzen: Flughäfen, Seehäfen, Landgrenzen. Kein Grenzposten ist mehr ausgenommen.
Die Zahlen aus der Testphase klingen erstmal beeindruckend. 45 Millionen Übertritte registriert. Die EU sagt, das System funktioniert. Ich glaub, die Reisenden in Lissabon sehen das anders.
Wer ist betroffen?
Nicht-EU-Bürger. Also alle, die aus den USA, Großbritannien, Kanada, Australien oder anderen Drittstaaten kommen. Auch Geschäftsreisende aus der Schweiz, wenn sie keinen Aufenthaltstitel im Schengen-Raum haben.
EU-Bürger und EWR-Staatsangehörige? Nicht betroffen. Du gehst weiterhin durch die EU-Schleuse. Allerdings: wenn du mit jemandem reist, der keinen EU-Pass hat, plant extra Zeit ein.
Wer einen gültigen Aufenthaltstitel oder eine Daueraufenthaltskarte hat, ist laut BVA ebenfalls ausgenommen.
Wartezeiten: Die harte Realität
Hier wird's ungemütlich. Die Wartezeiten an vielen Flughäfen sind massiv. Ein Überblick:
| Flughafen | Berichtete Wartezeit | Quelle / Kontext |
|---|---|---|
| Lissabon | bis zu 7 Stunden | System im Dezember 2025 ausgesetzt |
| Genf | 5 bis 6 Stunden | Spitzenzeiten |
| Paris CDG | 3+ Stunden | Regelmäßig |
| Brüssel | ca. 2 Stunden | 600 verpasste Flüge in 4 Tagen |
| Frankfurt | 2 bis 3 Stunden | Schwankend |
| Amsterdam | 2 bis 3 Stunden | Schwankend |
Lissabon hat das EES im Dezember 2025 tatsächlich vorübergehend abgeschaltet, weil die Situation so extrem wurde. Das berichtet Euronews. Brüssel hatte innerhalb von vier Tagen 600 verpasste Anschlussflüge. Kein Witz.
Tipps: So kommst du besser durch
Kann ich dir garantieren, dass du pünktlich am Gate bist? Nein. Aber ein paar Dinge helfen.
Die Frontex "Travel to Europe" App ermöglicht eine Vorab-Registrierung. Du gibst deine Daten schon vor der Reise ein, und am Grenzposten geht's dann schneller. Verpflichtend ist das nicht, aber es spart Zeit.
Anschlussflüge? Plane mindestens drei Stunden Puffer ein. Klingt viel, aber wenn du die Brüssel-Zahlen siehst, ist das realistisch.
Komm 30 bis 60 Minuten früher als gewohnt zum Flughafen. Und wenn du die Möglichkeit hast, reise außerhalb der Stoßzeiten. Morgens um 6 ist weniger los als nachmittags um 15 Uhr. Logisch, aber trotzdem vergessen viele das.
Sommer 2026: Die Lage mitten in der Hauptsaison
Die IATA hatte vor Wartezeiten von über 4 Stunden an großen Drehkreuzen in der Hauptreisezeit gewarnt. Jetzt, mitten im Sommer, bestätigt sich das an mehreren Flughäfen – die langen Schlangen aus dem Frühjahr sind nicht verschwunden.
Es gibt allerdings eine Klausel, die Ländern erlaubt, das EES bei extremen Problemen vorübergehend auszusetzen. Biometric Update berichtete, dass diese 90-Tage-Regelung schon in der Pilotphase genutzt wurde. Ob Portugal, Belgien oder andere Länder in diesem Sommer erneut davon Gebrauch machen, bleibt abzuwarten. Ich glaub ehrlich gesagt, dass mindestens ein Land pausieren wird.
Das EES System ist da. Es wird nicht wieder verschwinden. Aber die Kinderkrankheiten sind real, und als Reisender hilft nur eins: vorbereitet sein und mehr Zeit einplanen als du denkst.