445 gestrichene Flüge. 57.000 betroffene Passagiere. Null Flugbetrieb. Am 18. März 2026 hat ver.di den Flughafen BER komplett lahmgelegt, und viele Reisende standen plötzlich vor einer Frage: Was jetzt?
Ich hab's in den letzten Tagen in Foren, auf Reddit und in unserer Community immer wieder gelesen. Leute, die ihren Osterurlaub gefährdet sahen. Geschäftsreisende, die auf Leipzig oder Hamburg ausweichen mussten. Und ganz viele, die nicht wussten, ob ihnen Entschädigung zusteht. Kurze Antwort: wahrscheinlich nicht. Aber Betreuung und Umbuchung? Die stehen dir auf jeden Fall zu.
Was genau am 18. März passiert ist
Die Gewerkschaft ver.di rief rund 2.000 Beschäftigte der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) zum Warnstreik auf. Von 5 Uhr morgens bis 23:59 Uhr. 19 Stunden, in denen am BER nichts ging.
Kein reduzierter Betrieb. Kein Notprogramm. Laut Berliner Senat wurde der gesamte Passagierflugverkehr eingestellt. Erstmals seit der BER-Eröffnung 2020.
Am Tag danach? Chaos anderer Art. Der BER rechnete mit 80.000 Passagieren und 29 Zusatzflügen, weil die Airlines ihre gestrichenen Verbindungen nachholen mussten.
Warum ver.di streikt
Der Tarifkonflikt hat sich zugespitzt. ver.di fordert 6 Prozent mehr Lohn (mindestens 250 Euro pro Monat), einen zusätzlichen bezahlten Urlaubstag und eine Laufzeit von nur 12 Monaten.
Das Angebot der Arbeitgeberseite? Laut ver.di effektiv rund 1 Prozent mehr pro Jahr, verteilt auf eine Laufzeit bis Ende 2028. Verhandlungsführer Holger Rößler nannte das laut Euronews eine "Provokation": Wer bei steigenden Lebenshaltungskosten nur ein Prozent anbiete, zeige keine Wertschätzung.
Kann ich nachvollziehen, ehrlich gesagt. Ob der Warnstreik die richtige Antwort war, darüber lässt sich streiten. Aber 57.000 Passagiere als Druckmittel? Das trifft halt die Falschen.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 25. März 2026 angesetzt. Weitere Streiks hat ver.di ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Deine Rechte: Entschädigung, Betreuung, Umbuchung
Hier wird's kompliziert, und ich glaub, das ist der Teil, den die meisten Leute falsch verstehen.
Streik ist nicht gleich Streik. Es gibt einen entscheidenden Unterschied:
Airline-Personal streikt (Piloten, Kabine): Die Airline kann sich meistens NICHT auf "außergewöhnliche Umstände" berufen. Du hast gute Chancen auf EU261-Entschädigung (250 bis 600 Euro). Mehr dazu in unserem Eurowings-Streik-Artikel (Demnächst).
Flughafenpersonal streikt (wie hier am BER): Die Airlines können "außergewöhnliche Umstände" geltend machen. EU261-Entschädigung? In der Regel nein.
Das bestätigt auch der ADAC: Bei einem Streik des Bodenpersonals der Flughafengesellschaft liegt die Ursache außerhalb der Kontrolle der Airline.
Was dir trotzdem zusteht, immer:
Kostenlose Umbuchung auf den nächsten verfügbaren Flug ODER volle Rückerstattung
Verpflegung (Mahlzeiten, Getränke) während der Wartezeit
Hotelübernachtung und Transfer, falls du bis zum nächsten Tag warten musst
Diese Betreuungsleistungen gelten unabhängig davon, ob ein "außergewöhnlicher Umstand" vorliegt. Die Airline muss sich darum kümmern.
Pauschalreisende wenden sich direkt an den Reiseveranstalter, nicht an die Airline. TUI, DER Touristik und Co. sind verpflichtet, die Umorganisation zu übernehmen.
Alternativen für Berlin-Reisende
Wer am Streiktag oder bei zukünftigen BER-Streiks trotzdem fliegen muss, hat ein paar Optionen. Alle nicht perfekt, aber besser als gar nichts.
| Ausweichflughafen | Entfernung vom BER | Zugfahrt (ca.) |
|---|---|---|
| Leipzig/Halle (LEJ) | 185 km | ~1 Stunde |
| Hannover (HAJ) | 250 km | ~1 Stunde 40 min |
| Hamburg (HAM) | 270 km | ~2 Stunden |
| Dresden (DRS) | 200 km | ~2 Stunden |
Leipzig/Halle ist wahrscheinlich die beste Option. Gute easyJet-Verbindungen, und mit dem ICE bist du in einer Stunde da. FlixBus bietet auch Direktverbindungen an, falls die Bahn überlastet ist.
Mein Tipp: Prüf bei Umbuchungen, ob deine Airline auch ab einem Ausweichflughafen fliegt. Ryanair und easyJet haben Kapazitäten in Leipzig, Lufthansa in Hannover und Hamburg.
Wie geht es weiter?
Am 25. März 2026 sitzen ver.di und die Flughafengesellschaft wieder am Verhandlungstisch. Ob da was rauskommt? Ich bin skeptisch. Die Positionen liegen weit auseinander, und laut Tagesspiegel rechnen Wirtschaftsverbände schon mit Millionenschäden für die Hauptstadtregion.
Falls du in den nächsten Wochen ab BER fliegst: Behalte die Nachrichten im Blick. Warnstreiks werden in Deutschland in der Regel ein bis zwei Tage vorher angekündigt. Deine Airline informiert dich per App oder E-Mail. Und pack für alle Fälle die wichtigsten Sachen ins Handgepäck, falls dein Koffer auf Umwegen ankommt.