Flughafen Berlin Streik: 445 Flüge gestrichen, 57.000 Passagiere betroffen
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Flughafen Berlin Streik: 445 Flüge gestrichen, 57.000 Passagiere betroffen

Kofferly
Redaktionsteam Unser Content-Team
5 Min. Lesezeit

445 gestrichene Flüge. 57.000 betroffene Passagiere. Null Flugbetrieb. Am 18. März 2026 hat ver.di den Flughafen BER komplett lahmgelegt, und viele Reisende standen plötzlich vor einer Frage: Was jetzt?

Ich hab's in den letzten Tagen in Foren, auf Reddit und in unserer Community immer wieder gelesen. Leute, die ihren Osterurlaub gefährdet sahen. Geschäftsreisende, die auf Leipzig oder Hamburg ausweichen mussten. Und ganz viele, die nicht wussten, ob ihnen Entschädigung zusteht. Kurze Antwort: wahrscheinlich nicht. Aber Betreuung und Umbuchung? Die stehen dir auf jeden Fall zu.

Was genau am 18. März passiert ist

Die Gewerkschaft ver.di rief rund 2.000 Beschäftigte der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) zum Warnstreik auf. Von 5 Uhr morgens bis 23:59 Uhr. 19 Stunden, in denen am BER nichts ging.

Kein reduzierter Betrieb. Kein Notprogramm. Laut Berliner Senat wurde der gesamte Passagierflugverkehr eingestellt. Erstmals seit der BER-Eröffnung 2020.

Am Tag danach? Chaos anderer Art. Der BER rechnete mit 80.000 Passagieren und 29 Zusatzflügen, weil die Airlines ihre gestrichenen Verbindungen nachholen mussten.

Warum ver.di streikt

Der Tarifkonflikt hat sich zugespitzt. ver.di fordert 6 Prozent mehr Lohn (mindestens 250 Euro pro Monat), einen zusätzlichen bezahlten Urlaubstag und eine Laufzeit von nur 12 Monaten.

Das Angebot der Arbeitgeberseite? Laut ver.di effektiv rund 1 Prozent mehr pro Jahr, verteilt auf eine Laufzeit bis Ende 2028. Verhandlungsführer Holger Rößler nannte das laut Euronews eine "Provokation": Wer bei steigenden Lebenshaltungskosten nur ein Prozent anbiete, zeige keine Wertschätzung.

Kann ich nachvollziehen, ehrlich gesagt. Ob der Warnstreik die richtige Antwort war, darüber lässt sich streiten. Aber 57.000 Passagiere als Druckmittel? Das trifft halt die Falschen.

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 25. März 2026 angesetzt. Weitere Streiks hat ver.di ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Deine Rechte: Entschädigung, Betreuung, Umbuchung

Hier wird's kompliziert, und ich glaub, das ist der Teil, den die meisten Leute falsch verstehen.

Streik ist nicht gleich Streik. Es gibt einen entscheidenden Unterschied:

  • Airline-Personal streikt (Piloten, Kabine): Die Airline kann sich meistens NICHT auf "außergewöhnliche Umstände" berufen. Du hast gute Chancen auf EU261-Entschädigung (250 bis 600 Euro). Mehr dazu in unserem Eurowings-Streik-Artikel (Demnächst).

  • Flughafenpersonal streikt (wie hier am BER): Die Airlines können "außergewöhnliche Umstände" geltend machen. EU261-Entschädigung? In der Regel nein.

Das bestätigt auch der ADAC: Bei einem Streik des Bodenpersonals der Flughafengesellschaft liegt die Ursache außerhalb der Kontrolle der Airline.

Was dir trotzdem zusteht, immer:

  • Kostenlose Umbuchung auf den nächsten verfügbaren Flug ODER volle Rückerstattung

  • Verpflegung (Mahlzeiten, Getränke) während der Wartezeit

  • Hotelübernachtung und Transfer, falls du bis zum nächsten Tag warten musst

Diese Betreuungsleistungen gelten unabhängig davon, ob ein "außergewöhnlicher Umstand" vorliegt. Die Airline muss sich darum kümmern.

Pauschalreisende wenden sich direkt an den Reiseveranstalter, nicht an die Airline. TUI, DER Touristik und Co. sind verpflichtet, die Umorganisation zu übernehmen.

Alternativen für Berlin-Reisende

Wer am Streiktag oder bei zukünftigen BER-Streiks trotzdem fliegen muss, hat ein paar Optionen. Alle nicht perfekt, aber besser als gar nichts.

Ausweichflughafen Entfernung vom BER Zugfahrt (ca.)
Leipzig/Halle (LEJ) 185 km ~1 Stunde
Hannover (HAJ) 250 km ~1 Stunde 40 min
Hamburg (HAM) 270 km ~2 Stunden
Dresden (DRS) 200 km ~2 Stunden

Leipzig/Halle ist wahrscheinlich die beste Option. Gute easyJet-Verbindungen, und mit dem ICE bist du in einer Stunde da. FlixBus bietet auch Direktverbindungen an, falls die Bahn überlastet ist.

Mein Tipp: Prüf bei Umbuchungen, ob deine Airline auch ab einem Ausweichflughafen fliegt. Ryanair und easyJet haben Kapazitäten in Leipzig, Lufthansa in Hannover und Hamburg.

Wie geht es weiter?

Am 25. März 2026 sitzen ver.di und die Flughafengesellschaft wieder am Verhandlungstisch. Ob da was rauskommt? Ich bin skeptisch. Die Positionen liegen weit auseinander, und laut Tagesspiegel rechnen Wirtschaftsverbände schon mit Millionenschäden für die Hauptstadtregion.

Falls du in den nächsten Wochen ab BER fliegst: Behalte die Nachrichten im Blick. Warnstreiks werden in Deutschland in der Regel ein bis zwei Tage vorher angekündigt. Deine Airline informiert dich per App oder E-Mail. Und pack für alle Fälle die wichtigsten Sachen ins Handgepäck, falls dein Koffer auf Umwegen ankommt.

Häufig gestellte Fragen

Wahrscheinlich nicht. Da Flughafenpersonal (FBB-Beschäftigte) gestreikt hat und nicht Airline-eigenes Personal, können Airlines "außergewöhnliche Umstände" nach EU-Verordnung 261/2004 geltend machen. Betreuungsleistungen wie Verpflegung und Umbuchung stehen dir aber auf jeden Fall zu.

Beim Airline-Streik (Piloten, Kabinenpersonal) ist die Airline selbst verantwortlich. Dann greift EU261 mit 250 bis 600 Euro Entschädigung. Beim Flughafenstreik liegt die Ursache außerhalb der Airline-Kontrolle. Entschädigung entfällt dann meistens, Betreuung bleibt aber Pflicht.

Ja. ver.di hat weitere Arbeitskampfmaßnahmen nicht ausgeschlossen. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 25. März 2026 statt. Sollte keine Einigung erzielt werden, ist ein erneuter Streik wahrscheinlich.

Kontaktiere deinen Reiseveranstalter (TUI, DER Touristik, FTI etc.) direkt. Nicht die Airline. Der Veranstalter ist bei Pauschalreisen für die Umorganisation verantwortlich. Buche NICHT eigenständig um, das kann deine Ansprüche gefährden.

Leipzig/Halle (185 km, ~1h Bahn), Hannover (250 km, ~1h40 Bahn), Hamburg (270 km, ~2h Bahn) und Dresden (200 km, ~2h Bahn). Leipzig ist für die meisten die schnellste Alternative.
*Stand: 23. März 2026*

Quellen

  1. 1 ver.di
  2. 2 Berliner Senat
  3. 3 80.000 Passagieren und 29 Zusatzflügen
  4. 4 Euronews
  5. 5 ADAC
  6. 6 Tagesspiegel