350 Millionen Euro weniger Steuern für die Luftfahrt. Klingt nach einer Menge Kohle. Und ja, ab dem 1. Juli 2026 sinkt die Luftverkehrssteuer 2026 tatsächlich auf das Niveau von vor Mai 2024. Die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz macht die Steuererhöhung von damals komplett rückgängig.
Aber wird dein nächster Flug nach Mallorca deshalb billiger?
Ich glaub ehrlich gesagt: kommt drauf an.
Was sich konkret ändert
Die Bundesregierung (CDU/CSU-SPD-Koalition) hat beschlossen, die Luftverkehrssteuer ab 1. Juli 2026 zu senken. Laut aviation.direct kehrt die Steuer auf das Niveau vor der Erhöhung im Mai 2024 zurück.
Was heißt das in Zahlen?
| Strecke | Bisher (seit Mai 2024) | Ab Juli 2026 | Ersparnis |
|---|---|---|---|
| Kurzstrecke (EU/Inland) | 15,53 € | 12,73 € | ~2,80 € |
| Langstrecke (6.000+ km) | 70,83 € | 58,06 € | ~12,77 € |
Rund 2,80 € auf einem Mallorca-Flug. Rund 13 € auf dem Trip nach Thailand. Kein Vermögen, aber bei einer vierköpfigen Familie auf Langstrecke sind das immerhin gut 50 €.
Warum die Regierung das macht
Kanzler Merz will damit laut cleanenergywire.org den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken. Die Logik dahinter: niedrigere Steuern machen deutsche Flughäfen attraktiver für Billigflieger. Mehr Billigflieger bringen mehr Passagiere. Mehr Passagiere bringen mehr Geld in die Region.
Klingt erstmal plausibel. Ob das so einfach aufgeht, steht auf einem anderen Blatt.
Wie businesstravelnewseurope.com berichtet, beläuft sich die gesamte Entlastung für die Branche auf rund 350 Millionen Euro jährlich. Das ist viel Geld, das dem Bundeshaushalt fehlt.
Das Problem: Airlines müssen nichts weitergeben
Und hier wird's für Reisende etwas ernüchternd. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat das selbst klargestellt: Es gibt keinen automatischen Mechanismus, der Airlines zwingt, die Steuersenkung als günstigere Tickets weiterzugeben.
Die Ersparnis von 2,80 € pro Kurzstreckenpassagier? Kann genausogut in der Marge der Airline verschwinden. Vielleicht denkst du jetzt: das wäre doch dreist. Ja, wäre es. Aber Airlines sind Wirtschaftsunternehmen, keine Wohltätigkeitsorganisationen.
Was iamexpat.de berichtet, klingt da optimistischer. Demnach könnten besonders Billigflieger die Senkung nutzen, um ihre Preise tatsächlich zu drücken, weil ihr Geschäftsmodell auf Ticketvolumen basiert.
Ryanair reagiert sofort
Und genau das passiert schon. Ryanair hat nicht lange gefackelt: 14 neue Strecken ab Deutschland, zwei komplett neue Flughäfen (Saarbrücken und Friedrichshafen). Das hab ich hier auf Kofferly bereits ausführlich beschrieben.
Auch Lufthansa prüft laut Branchenberichten, ob zuvor geplante Streckeneinstellungen noch Sinn ergeben. Angesichts der jüngsten Probleme bei Lufthansa (Demnächst) und dem Eurowings-Pilotenstreik (Demnächst) dürfte die Airline jede Entlastung gebrauchen können.
Ob günstigere Tickets daraus entstehen? Abwarten.
Kritik von Umweltverbänden
Nicht alle finden die Steuersenkung gut. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nennt es eine Subvention für die „klimaschädlichste Transportform". Die Argumentation: Fliegen verursacht pro Personenkilometer mehr CO2 als jedes andere Verkehrsmittel, und eine Steuersenkung schafft falsche Anreize.
Das ist ein berechtigter Punkt. Ob man ihn stärker gewichtet als die wirtschaftlichen Argumente, ist am Ende eine politische Entscheidung. Ich hab da keine eindeutige Meinung, ehrlich gesagt.
Was das für Kofferly-Leser bedeutet
Hier kommt der Punkt, den viele übersehen: Selbst wenn dein Ticket 3 oder 13 € günstiger wird, bleiben die Gepäckgebühren davon komplett unberührt.
Bei Ryanair zahlst du weiterhin extra für den Trolley. Bei Lufthansa hat Economy Basic seit Mai 2026 kein kostenloses Handgepäck mehr (Demnächst). Und bei Wizz Air bleibt das Aufgabegepäck genauso teuer wie vorher.
Mein Tipp: Rechne immer den Gesamtpreis. Ticket plus Gepäck plus Sitzplatzwahl. Die Luftverkehrssteuer macht da nur einen kleinen Teil aus.