Athen, Tag 11. Ich sitze in einer Taverne am Hafen von Naxos, trinke kalten Freddo Espresso und trage mein letztes sauberes T-Shirt. In meinem Kabinentrolley steckt alles, was ich für diesen Urlaub besitze: 7,2 Kilogramm. Vierzehn Tage, ein Koffer, null Aufgabegepäck.
Klingt nach Wahnsinn? Hab ich auch gedacht. Aber dann hab ich nachgerechnet, was mich 2 Wochen Urlaub mit Handgepäck an Gepäckgebühren spart, und plötzlich klang es nach dem schlauesten Plan überhaupt.
Warum ich mir das angetan hab
Kurze Vorgeschichte: Im Sommer davor bin ich mit meiner Freundin Lisa nach Kreta geflogen. Eurowings, Hin- und Rückflug, zwei Koffer als Aufgabegepäck. Kostenpunkt allein für die Koffer: 118 Euro. Dazu 43 Minuten am Gepäckband in Heraklion. Unser Shuttle zum Hotel war längst weg.
Das war der Moment, wo ich beschlossen hab: Nächstes Mal geht das anders.
Ich hatte schon kurze Trips nur mit Handgepäck (Demnächst) gemacht. Drei, vier Tage, kein Problem. Aber 2 Wochen Urlaub nur mit Handgepäck? Strand plus Stadtbesichtigung? Das war eine andere Liga. Mein Kumpel Stefan meinte: "Du wirst nach fünf Tagen in einem Touristenshop einen Trolley kaufen." Er hat gewettet. Zehn Euro.
Die Regeln meiner Challenge
Ganz einfach. Ein Kabinentrolley, maximal 55x40x20 cm. Dazu mein kleiner Rucksack als persönlicher Gegenstand. Kein Aufgabegepäck, kein Nachbuchen am Gate, kein Schummeln.
Die Route: Athen (4 Nächte), Fähre nach Naxos (5 Nächte), weiter nach Paros (4 Nächte). Strand, Altstadt, Restaurants. Klassischer Insel-Hopping-Urlaub.
Was ich eingepackt hab
Hier wird's konkret. Ich hab alles gewogen (ja, mit einer Küchenwaage, und ja, Lisa hat gelacht).
Kleidung (3,1 kg):
4 T-Shirts (davon 2 Merino, trocknen schnell)
2 kurze Hosen
1 lange Hose für Abendessen
1 leichtes Leinenhemd
5 Paar Socken, 5 Unterhosen
Badehose
1 dünne Regenjacke
Schuhe:
Sandalen (angehabt beim Fliegen)
Leichte Sneaker (am Trolley festgeklemmt)
Hygiene (0,8 kg):
Alles in einem handgepäckkonformen Flüssigkeitsbeutel (Demnächst), Mini-Größen
Sonnencreme 100ml (die große Flasche hab ich vor Ort gekauft, 4,50 Euro bei einem Kiosk auf Naxos)
Zahnbürste, Deo, Rasierer
Technik (1,4 kg):
Handy, Ladekabel, Powerbank
Kindle (Bücher hätten zu viel gewogen)
Kopfhörer
Rest (1,9 kg):
Koffer selbst
Reisehandtuch aus Mikrofaser
Packwürfel (die hab ich nach dem Packwürfel-Test (Demnächst) gekauft, Beste Investition)
Gesamtgewicht: 7,2 kg. Mein Trolley wiegt leer 1,9 kg, das Ding ist also voll bis oben. Aber es passt.
Woche 1: Athen und die erste Bewährungsprobe
Die ersten vier Tage in Athen liefen besser als erwartet. Ehrlich gesagt hatte ich mir Sorgen gemacht, ob vier T-Shirts reichen. Bei 34 Grad in der Plaka schwitzt du die Klamotten ja quasi durch.
Mein Trick: Abends hab ich ein T-Shirt im Waschbecken gewaschen. Merino trocknet über Nacht. Baumwolle nicht. Notiz an mich: Nächstes Mal nur Merino.
Was nervte? Ich hatte kein Strandtuch dabei. Das Mikrofaser-Reisehandtuch funktioniert zum Abtrocknen, aber am Strand fühlst du dich damit ein bisschen wie auf einer Briefmarke. Am dritten Tag hab ich am Strand von Vouliagmeni ein günstiges Strandtuch gekauft. Acht Euro. Ungeplante Ausgabe Nummer eins.
Auf der Fähre nach Naxos dann der erste echte Vorteil: Während alle anderen Passagiere mit ihren riesigen Koffern die Treppen hochhieven, bin ich einfach durchspaziert.
Woche 2: Naxos, Paros und die Wäschefrage
Naxos war der Härtetest. Fünf Nächte am Strand, und ich hab gemerkt: Salzwasser plus Sand plus wenig Kleidung ist eine Kombination, die man planen muss.
Meine Rettung: Die Unterkunft auf Naxos hatte eine Waschmaschine. Ein Waschgang für 3 Euro. Ich hab alles reingeschmissen und hatte wieder frische Klamotten für den Rest der Woche. Auf Paros gab's das nicht, also wieder Handwäsche im Waschbecken. Ging auch, aber Baumwoll-Shorts trocknen bei 70% Luftfeuchtigkeit nicht über Nacht. Kann sein, dass ich am Tag 12 leicht feuchte Shorts angezogen hab. Vielleicht.
Was ich hätte zu Hause lassen können? Die lange Hose. Hab ich genau einmal getragen, in einem schickeren Restaurant auf Paros. Dafür hätte auch die kurze Hose gereicht. Und den zweiten Ladekabel brauchte niemand.
Was gefehlt hat? Ein zweites Paar Flip-Flops. Meine Sandalen haben nach zehn Tagen Sand und Salzwasser angefangen zu riechen. Richtig zu riechen. Lisa hat sich beschwert. Berechtigt.
Die Kohle, die ich gespart hab
Das war am Ende der überzeugendste Teil. Hier die Rechnung:
| Posten | Kosten mit Aufgabegepäck | Kosten nur Handgepäck |
|---|---|---|
| Eurowings hin (Aufgabegepäck) | 29 Euro | 0 Euro |
| Eurowings zurück (Aufgabegepäck) | 29 Euro | 0 Euro |
| Gepäckband-Wartezeit | 43 min (unbezahlbar) | 0 min |
| Taxi statt Shuttle (weil Koffer so groß) | 22 Euro | 0 Euro |
| Gesamt | 80 Euro | 0 Euro |
Minus meine ungeplanten Ausgaben vor Ort: 8 Euro Strandtuch, 4,50 Euro Sonnencreme. Also netto hab ich etwa 67 Euro gespart. Für einen Urlaub. Wer das zweimal im Jahr macht, spart sich fast eine Capsule Wardrobe fürs Reisen (Demnächst).
Wer sich für die genauen Übergepäck-Kosten verschiedener Airlines (Demnächst) interessiert: Die Strafen am Gate sind nochmal deutlich heftiger.
Mein ehrliches Fazit: Würd ich's wieder machen?
Ja. Aber anders.
Was funktioniert hat: Das Gefühl, frei zu sein. Kein Warten am Gepäckband, kein Schleppen durch enge Gassen, kein Stress beim Fähren-Wechsel. Ich hab gemerkt, dass ich viel weniger brauche, als ich dachte. Vier T-Shirts reichen, wenn du bereit bist, abends kurz zu waschen.
Was ich ändern würde: Nur noch Merino-Shirts (kosten mehr, trocknen doppelt so schnell). Zweites Paar leichte Schuhe statt nur Sandalen. Und die Sommerurlaub-Packliste (Demnächst) vorher nochmal checken, da stehen ein paar Sachen drauf, die ich vergessen hatte.
Stefan schuldet mir übrigens zehn Euro. Hab ihm ein Foto vom letzten Tag geschickt, mit demselben Trolley, mit dem ich losgeflogen bin. Er hat's bis heute nicht bezahlt.
Zwei Wochen, ein Koffer, ein Abenteuer. Ich glaub, ich mach das jetzt jedes Jahr so.